Thalheim ist eine selbständige politische Gemeinde mit gegenwärtig ca. 800 Einwohnern. Politisch gehört Thalheim zum Bezirk Brugg, zum Kanton Aargau und zur Schweiz. Mit 992 Hektaren Gemeindefläche ist Thalheim die zweitgrösste Gemeinde des Bezirks. Thalheim ist auch eine selbständige ev.-ref. Kirchgemeinde.
 
Thalheim ist zentral gelegen: Die Grossstädte Zürich, Basel, Bern und Luzern sind mit dem Auto in weniger als einer Stunde erreichbar, und die Fahrt zum interkontinentalen Flughafen dauert nur 40 Minuten. Dass nicht mehr Einwohner in Thalheim leben, dass wir hier gute Luft geniessen und Lärm nur vom Hörensagen kennen, dass Bauland erschwinglich geblieben ist, liegt hauptsächlich daran, dass es Orte gibt, die noch zentraler liegen.
 
Wer Thalheim besuchen will, muss allerdings die Hauptstrasse verlassen. Die Bözbergstrasse (Zürich-Basel) in Umiken und die Aaretalstrasse (Zürich-Bern) in Schinznach-Bad oder Wildegg. Der Weg nach Thalheim führt dann über Schinznach-Dorf oder Veltheim. Von Aarau und Frick aus (Luzern-Basel) zweigt man auf der Staffelegg-Passhöhe ab, überwindet weitere 40 Höhenmeter und wird mit einer phantastischen Aussicht auf das Schenkenberger- und Aaretal belohnt.
 
Mit dem Bus fährt man in etwas weniger als einer halben Stunde vom Bahnhof Brugg nach Thalheim.
 
Eine lohnende Reise
Thalheim ist die oberste Gemeinde des Schenkenbergertals. Das Tal ist landschaftlich reizvoll und immer eine Reise wert. Besonders schön ist es im Frühling, wenn die Kirschbäume blühen. Wir befinden uns an der Grenze zum Fricktal, und die Hochstammbäume sind noch nicht der industriellen Landwirtschaft zum Opfer gefallen.
 
Besonders lustig ist es aber im Herbst, zur Zeit der Sauser-Freinächte. Anfangs Oktober darf an drei Wochenenden bis morgens um drei Uhr durchgezecht werden. Dazu gibt es Metzgete. Gar manches Schwein muss dafür sein Leben lassen. Die Tiere werden übrigens in Thalheim selbst nach den Regeln der Integrierten Produktion aufgezogen.
 
Thalheim verfügt über einige besonders schöne Aussichtspunkte. Dazu gehören die Ruine Schenkenberg und der Zeiher Homberg. Von der Gislifluh aus - die Gemeindegrenze verläuft über die Krete, man steht also bereits auf Auensteiner Boden - überblickt man an Föhntagen die ganze Alpenkette. Gegen Norden schweift der Blick tief in den Schwarzwald ab.
 
Ein Blick in die Geschichte
Eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges - und ein toller Spielplatz für Kinder - ist die Ruine Schenkenberg. Man erreicht sie in ca. 30 Minuten zu Fuss vom Dorf aus. Die Burg wurde anfangs des 13. Jahrhunderts von den Habsburgern erbaut. 1460 wurde sie von den Bernern erobert. Es residierten etwa 50 bernische Landvögte auf Schenkenberg. Weil der Unterhalt zu teuer und das Trinkwasser schwierig zu beschaffen war, wechselten die Vögte 1720 nach Wildenstein. Die Burg wurde 1837 an Josef Maximilian von Schenkenberg verkauft, der aber spurlos verschwand. Die Burg zerfiel und wurde als Steinbruch ausgebeutet. Der Aargauische Heimatschutz ersteigerte die Ruine 1918 zum symbolischen Preis von 50 Franken und führte 1931 bis 1939 und 1969/70 umfangreiche Sanierungen durch.
 
Die Kirche liegt am Südrand des Dorfes an einer leicht erhöhten Lage. Sie ist von einem liebevoll gepflegten Friedhof umgeben. Teile der heutigen Schiffmauern entstammen dem romanischen Bau der Kirche, die dem hl. Petrus geweiht war. Sie erfuhr im 14. und 15. Jahrhundert Veränderungen. 1543 wurde die Kirche erweitert und erneuert. Sehenswert ist der Taufstein, der 1675 vom Schenkenberger Obervogt Samuel Thormann und seiner Frau Margarete geb. Archer gestiftet wurde.
 
Unmittelbar neben der Kirche steht das ehemalige Pfarrhaus - es wurde von 1681 bis 1732 als solches genutzt. Heute dient es als Kirchenstöckli mit Aufbahrungsraum und WC-Anlagen.
 
Mit dem Berner Wappen an seiner Giebelfassade beherrscht das Pfarrhaus den Dorfplatz. Es wurde 1731/32 erbaut. Unmittelbar davor steht der achteckige Dorfbrunnen von 1856. Noch älter ist der Dorfbrunnen im Unterdorf, der 1837 erbaut wurde.
 
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Thalheim im Jahr 1064. Alemannische Gräber zeigen aber, dass das Gebiet bereits sehr viel früher besiedelt war. Dank dem Weinbau gedieh das Dorf bis zum 17. Jahrhundert zur zweitgrössten Gemeinde des Bezirks Brugg. Im späten 19. Jahrhundert wurde Thalheim wie alle Nachbardörfer von der Krise des Weinbaus erfasst. Viele Dorfbewohner mussten damals ihre Heimat verlassen. Wernli, Dietiker, Ging, Härdi, Schneider und Umiker sind deshalb heute in allen fünf Erdteilen anzutreffen, und ihre Zahl übertrifft diejenige der Einwohner Thalheims um ein Mehrfaches.
 
Steter Wandel
In den vergangenen 20 Jahren hat Thalheim deutliche Veränderungen erfahren. Die Einwohnerzahl hat 1980 mit 550 den Tiefstand erreicht (1850 waren es 1117). Seither steigt sie dank der Bautätigkeit kontinuierlich an. Wer heute in Thalheim wohnt, braucht nicht mehr unbedingt Wernli oder Dietiker zu heissen. Es gibt jetzt sogar "exotische" Namen wie Meier und Huber!
 
Die Landwirtschaft und der Rebbau (unser Wappen!) haben viel von ihrer Bedeutung eingebüsst. Immer noch gibt es aber mehr als 30 haupt- und nebenberufliche Landwirte. Thalheimer Wein ist als "Thalheimer", "Schenkenberger" und "Chalöfner" bekannt.
 
Die meisten Einwohner finden in den umliegenden Städten Arbeit - einige pendeln bis nach Zürich. Doch auch im Dorf selbst gibt es zahlreiche Gewerbebetriebe: Ein Transportunternehmen, zwei Schreinereien, zwei Heizungs- und Sanitärfirmen, mechanische Werkstätten, zwei Läden, eine Bäckerei, ein Coiffeursalon. Selbst wer das Auto einstösst, kann es im Dorf reparieren lassen. Und verhungert oder verdurstet ist in Thalheim dank der vier Restaurants noch niemand.



In der Gemeinde ansässige Vereinsmitglieder:

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