Oberflachs ist eine der kleinsten Gemeinden des Kantons und liegt nahe am Ausgang des Schenkenbergertales in die Aareebene. Es zeigt sich in seiner ursprünglichen Form als typisch dreistrahlige Siedlung. Urkundlich wurde das Dorf erstmals 1301 unter dem Namen «Obrenflacht» erwähnt. Es muss aber schon vor dieser Zeit zusammen mit der Doppelburg Castelen/Ruchenstein unter kyburgischer Oberhoheit bestanden haben.
 
Das Wappen, drei gekreuzte Flachsblumen, hat mit dem ursprünglichen Namen («Bei der oberen flachen Stelle») nichts zu tun. 1301 und 1311 erwarben Albrecht und Berchtold von Mülinen, Angehörige eines habsburgischen Dienstmannengeschlechts, die beiden Burgen und das Dorf Oberflachs. Die Herrschaft der von Mülinen dauerte über 300 Jahre, selbst noch als die Berner 1415 Lehensherren im Schenkenbergertal wurden. Mülinen-Wappen existieren heute noch an drei Gebäuden des Dorfes. 1631 gelangte Oberst Hans Ludwig von Erlach in den Besitz der beiden Burgen und des Dorfes.
 
Das Grab dieses berühmten Berner Adeligen befindet sich in der Kirche von Schinznach-Dorf. In der Folgezeit übten die Herren von Castelen die niedere Gerichtsbarkeit aus und besorgten die Entgegennahme des Zehnten. Heute noch stehen zwei Zehntenstöcke und das ehemalige Untervogtshaus im mehr historischen Dorfteil, im sogenannten Adelboden. Ab 1732 war Castelen lange Zeit Landvogteisitz. Mit der Entstehung des neuen Staates Aargau 1803 wurde Oberflachs autonome Gemeinde. Eine grosse Feuersbrunst im Jahre 1817 zerstörte ungefähr einen Drittel des Dorfes. 25 Haushaltungen, insgesamt etwa 150 Personen verloren dabei ihr ganzes Hab und Gut. Der Adelboden, der eigentliche Kern des Dorfes, blieb verschont. Ein weiteres Grossfeuer ereignete sich 1907. Damals brannte das Schloss Chastelen, das zirka 50 Jahre vorher Erziehungsheim geworden war, fast vollständig aus. Adolf Haller beschreibt das Ereignis in seinem Buch «Der verzehrende Brand ».
 
Unser Dorf gehörte von je her zur Pfarrei Veltheim. 1531, in der Reformationszeit, soll sich in Oberflachs ein Blutwunder ereignet haben. (Zwingliana Bd. III Seite 177). Der Wiener Bischof Johannes Faber schrieb darüber: «Im Bernergebiet, nit weit von Brugk ist uff sant Jacobs tag in eins bauren hauss recht blut under der schwel sichtparlich herausgerunnen.» Die Oberflachser Bevölkerung lebte bis in die Neuzeit fast ausschliesslich aus Landwirtschaft und Rebbau. An Industrie und Gewerbe hat das Dorf bis heute wenig aufzuweisen. Die Güterregulierung 1932/37 brachte durch Arrondierungen wesentliche landwirtschaftliche Verbesserungen, aber mit der strukturellen Wandlung in unserem Jahrhundert wurde die Zahl der bäuerlichen Betriebe stark rückläufig, während sich diejenige der auswärts Berufstätigen stark vergrösserte. Der Rebbau dagegen hatte sich nach seinem Tiefststand um die Jahrhundertwende recht erfreulich erholt. Die Rebbesitzer sind im Rebbauverein zusammengeschlossen. Das Traubengut wird in zwei grösseren Betrieben der Nachbargemeinde Schinznach-Dorf verwertet. Auf der 22 ha bestockten Anbaufläche wird vorwiegend Riesling X Sylvaner und etwas Blauburgunder produziert. Der Wein unserer Gegend gilt weitherum als guter Tropfen. Schon in Viktor Scheffels «Der Trompeter von Säckingen» heisst es: Und mit schwerem Castelberger liess er die Trompete füllen.
 
Die beiden Burgen Castelen und Ruchenstein, zum Teil auch der stark entwickelte Weinbau, haben die Gemeinde zu einem sagenumwobenen Dorf gemacht. Nach der einschlägigen Literatur gibt es in der Region kaum irgendwo so viele Sagen wie hier. (Ernst Ludwig Rochholz: «Schweizersagen aus dem Aargau» 1. Auflage 1856. Nachdruck 1980)
 
Seit 1974 besteht in unserem Dorf eine kulturelle Vereinigung «Pro Oberflachs». Im eigenen Haus (Zehntenstock) führt sie gelegentlich Anlässe durch wie Ausstellungen, Vorträge, Versamm-lungen usw., wobei zahlreiche Besucher der näheren und weiteren Umgebung reges Interesse bekunden. Der Zehntenstock und Schloss Kasteln stehen unter Denkmalschutz.
 
Zu den bedeutendsten alten Bürgergeschlechtern der Gemeinde gehören: Süess, Käser, Zimmermann, Leder, Fricker und Weber. Im Rahmen der Zonenplanung und Bauordnung entstanden in den letzten Jahren ausserhalb des Dorfkerns an ruhiger und sonniger Lage unterhalb des Rebberges zahlreiche schmucke Einfamilienhäuser.
 
Die Gemeinde braucht sich also für die Zukunft keine Sorgen für eine, wenn auch bescheidene, Weiterentwicklung zu machen.
 

In der Gemeinde ansässige Vereinsmitglieder:

Chalmberger Weinbau
Zimmermann Konrad + Sonja

Rebbergstr. 24
5108 Oberflachs

Rebgut im Kalm
Birchmeier Susanne und Stefan
Winzerweg 19
5108 Oberflachs

Weinbau
Käser-Härdi Stefan + Brigitte

Bächlihof
5108 Oberflachs

Weinbau
Keller Rudolf
Trottengasse 3
5108 Oberflachs

Weinbau
Zimmermann Peter

Halde 1
5108 Oberflachs


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