«Lupfig, die Gemeinde mit dem lustigsten Dorfnamen im Aargau», so wurden wir unlängst in einer Aargauer Tageszeitung tituliert. Wir erheben bestimmt keinen Anspruch auf diesen Titel, denn sicher gibt es noch weitere Dörfer in unserem Kanton, welche uns diese Ehre mit Recht streitig machen könnten. Man sieht jedoch daraus, dass unser Dorfname gern mit «lustig» assoziiert wird.
 
Schön - doch leider falsch. Zwar sind wir zufrieden und haben deshalb auch Grund, ab und zu lustig zu sein, aber unser Dorfname hat dennoch einen ganz anderen Ursprung. Lupfig kommt von «lüften». Das heisst nun aber nicht, dass in unserer Gemeinde die Fenster länger offen stehen, als anderswo, noch ist es eine Aufforderung, dieses zu tun. Genaugenommen war das, sagt man, nämlich etwa so:
 
Erstmals erwähnte man den Dorfnamen im Jahre 1270, anlässlich eines Kaufes von Besitztum in «Lupphanck» (damals hiessen wir so) durch das Kloster Wettingen. Ursprünglich handelt es sich um einen alemannischen -wang-Name «ze dem Lup-fend en wange» (beim ansteigenden Abhang), und darin steckt das noch in der Mundart gebräuchliche Wort «Lüpfe» (emporheben, sich erheben). Also nichts mit lustig, nur normal. Übrigens, von Lupphanck bis Lupfig verging eine ganze Menge Zeit. So finden wir den Namen zwischenzeitlich in verschiedensten Abwandlungen, wie: Lupfanch, Luphang, Lupfung, Lupfenach oder auch Lupfen.
 
Die Gemeinde Lupfig liegt im Birrfeld, am Fusse des bewaldeten Kestenberges, und bildet, zusammen mit der Gemeinde Birr, eine geographische Einheit. Wir sind eine Gemeinde des sogenannten Eigenamtes, der Landschaft zwischen Aare und Reuss.
 
Damit kämen wir zu den historischen Erkenntnissen über unser Dorf: Früher, d.h. im 13. Jahrhundert, waren es die Grafen von Habsburg welche hier das Sagen hatten. Dann gelangten wir in den Besitz des Klosters Königsfelden und 1415- 1803 standen wir unter der Fuchtel Berns Etwas genauer genommen war das so: Ein Wendepunkt in der Geschichte des Eigenamtes und seiner Dörfer bedeutete die im Jahre 1311 zum Gedenken an den 1308 ermordeten König Albrecht erfolgte Stiftung des habsburgischen Hausklosters Königsfelden, das an der Stelle der ruchlosen Tat errichtet wurde. Gut um Gut des habsburgischen Grundbesitzes im Eigenamt kam im Laufe der Zeit an dieses Gotteshaus. An der Verwaltung und Gerichtsbarkeit des Klosters änderte sich auch nichts, als der Aargau an Bern überging, das die bestehenden Rechte und Besitzverhältnisse respektierte. Nach der Aufhebung des Klosters Königsfelden kam das Eigenamt nun ganz in die Hand Berns, das daraus eine eigene Vogtei, das Oberamt Königsfelden, mit dem Hofmeister an der Spitze bildete. Das Ei-genamt war von 1415 bis 1798 wegen seiner grossen finanziellen Einkünfte aus Zinsgütern ein besonders ergiebiger Bestandteil des bernischen Staatsgutes.
 
Bern förderte nicht nur die Landwirtschaft im Eigenamt, sondern schuf in allen Dörfern Schulen.
 
Zur Bevölkerungsentwicklung folgende Angaben: 1529: 20 Feuerstätten; 1803: 522 Einwohner; 1900: 582 Einwohner; 1950: 638 Einwohner; 1989: 1271 Einwohner. 1999: 1739 Einwohner.
 
Lange Zeit war Birr die einzige Pfarrei im Eigen-amt. 1526 entstand dann eine neue Pfarrei, welche sich aus den Dörfern Birr, Birrhard, Brunegg, Lupfig, Scherz und Birrenlauf (das heutige Schinznach-Bad) zusammensetzt. Für die katholischen Mitchristen befindet sich seit dem Jahre 1966 die Pauluskirche in Lupfig. Die Katholiken des Birrfeldes gehören zur Pfarrei Windisch. Für Interessierte sind wir gerne bereit, auch etwas aus der Schule zu plaudern:
 
Im Jahre 1786 erhielt Lupfig eine eigene Schule, nachdem vorher das heutige Pestalozzischulhaus in Birr für die Schüler beider Gemeinden gedient hatte. Als Schullokal dienten Wohnungen in Privathäusern, meistens in denen des Lehrers. Erst 1822 konnte auf der «Breite», dort wo heute das Gemeindehaus steht, das erste Schulhaus eingeweiht werden. Wie der Name, musste auch unser Dorfwappen Wandlungen erdulden. Aus zwei goldenen Garben und einem Getreidehalm mit drei Ähren auf blauem Grund wurden 1964 einfach drei goldene Ähren, auf blauem Grund. Denn - wer kann heute noch Garben zeichnen? Das Wappen, bzw. dessen Veränderung, ist gleichzeitig ein wenig symptomatisch für das Birrfeld. Der Äcker werden's immer weniger, der Mensch braucht Platz . . . Fast ein bisschen märchenhaft vollzog sich die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten: Eines Tages, etwa 1950 war's wohl, kam ein schöner reicher Prinz, küsste das schlafende Dörfchen, und schenkte ihm eine vielfältige Industrie.... und alle waren froh.
 
Die Leute im Dorf, die sich bislang mehrheitlich, mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft ernährten, konnten von den vielen Arbeitsplätzen profitieren. Das Dorf und der Prinz profitierten von den Leuten. Und das Dorf, und wohl auch der Prinz wurden reicher- schöner allerdings nicht - und genossen ein recht sorgenfreies Leben. Und weil sich bis heute daran nicht viel änderte, geht es immer noch allen gut. Nur ein paar Unverbesserliche hegen plötzlich gewisse Zweifel für die Zukunft. Denn das Birrfeld wird immer interessanter durch seine günstige Verkehrslage; nun kommt auch noch die Autobahn und auch die S-Bahn soll einmal den Weg nach Zürich verkürzen. Dies alles könnte wieder märchenhafte Veränderungen mit sich bringen - und Märchen sind oftmals auch grausam, Sie erinnern sich. Es liegt nun in den Händen der Bevölkerung, dafür zu sorgen, dass dieses Märchen schön bleibt . . .
 
Hoffen wir also, dass unser Wappen seine drei Ähren noch möglichst lange zu Recht behalten darf und sie nicht auch einmal, weil logisch, weggelassen werden müssen - einfach, weil sich niemand mehr entsinnen kann im Birrfeld Ahren wachsen gesehen zu haben. Dann bliebe uns noch die Grundfarbe blau... und die müsste dann wohl eher auf grau geändert werden.
 

In der Gemeinde gibt es keine ansässigen Vereinsmitglieder

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