Das Dorf Linn liegt acht Kilometer vom Bezirkshauptort Brugg entfernt, abseits der Passstrasse am Rande des Bözberg-Plateaus, wo der Kettenjura in den Tafeljura übergeht.
Die Entstehung des Ortes liegt vollkommen im Dunkeln; es kann keine Überlieferung darüber Aufschluss geben. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1306. Die Siedlung gehörte zu jener Zeit unter die Herrschaft der Habsburger.
 
Mit der Eroberung des oberen Aargaus durch die Berner wurde der Bözberg samt Linn dem Amt Schenkenberg untertänig. 1566 zählte man in Linn 16 Feuerstätten (Wohnungen). Eigenartigerweise gehörte Linn bis zum Jahre 1649 zur Kirchgemeinde «Unter dem Berg», womit Elfingen (heute Bözen) gemeint ist. Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Ortschaft ist eng verknüpft mit dem Wahrzeichen von Linn, der weitherum bekannten Linner Linde, welche auch das Gemeindewappen ziert. Bei der Ortsbezeichnung handelt es sich um einen alemannischen Siedlungsnamen, der ursprünglich althochdeutsch wohl «lint-ahe» (beim Lindengehölz) lautete und sich später über «Linte», «Linde», «Linne» zur heutigen Form wandelte. Die älteste belegte Namensform ist «Linne», doch schon 1307 finden wir in einer Brugger Urkunde die Form «Lind».
 
Welcher Sinn steckt aber in der volkstümlichen Ableitung des Ortsnamens? Im 16. und 17. Jahrhundert wütete auch in unserer Gegend die verheerende Pest. In der Pestzeit vom Herbst 1667 bis zum Januar 1669 starben in der Kirchgemeinde Bözberg 350 Menschen, was mehr als zwei Dritteln der damaligen Bevölkerung entspricht.
 
Auf jene Zeit bezieht sich wohl die Sage von der Linner Linde, die 1856 so aufgezeichnet wurde: «Einst zur Zeit der Pest starben in dem kleinen Dörflein Linn der Leute so viele, dass ein eigener Fuhrmann die Leichen täglich nach dem weit entfernten Friedhof zum Begräbnis führen musste. Er fühlte sich zuletzt selber von der Pest ergriffen, und in dem Wahne, ihr entfliehen zu können, entlief er bis Rheinfelden. Dort aber herrschte der schwarze Tod gleichfalls, und der Knecht ging daran zugrunde. Währenddem hatte in Linn das Sterben ungehemmt fortgedauert. Der einzige Mann, der zuletzt übrig blieb, machte in der Nähe des Dorfes eine grosse Grube, warf die Leichen zusammen hinein und pflanzte zum Andenken die Linde darauf.»
 
Geschehenes und Erfundenes, oder zeitlich verschobenes Volksgut, haben sich wohl in der Sage verdichtet. Der Baum ist Grabzeichen und zugleich Beschwörung des Weiterlebens Und er bannt die Pest, den schwarzen Tod, unter die Erde. Der Baum hat im Laufe der Zeit beträchtlichen Schaden genommen. 1863 und 1908 wurde er durch Brand beschädigt. Sein exponierter Standort setzt ihn immerfort extremen klimatischen Einflüssen aus. Der stattliche Baum von ca. 22 m Höhe und einem Stammumfang von 11 m zieht immer wieder viele Schulklassen, aber auch andere Besucher an, steht er doch an der Wegkreuzung von marherten Wanderwegen aus vier verschiedenen Richtungen. Der Autofahrer erreicht ihn über die neu angelegte Zufahrtsstrasse und findet gleich daneben einen Parkplatz in einer ansprechenden Erholungslandschaft.
 
Der Dorfstrasse entlang sind heute die Miststöcke weitgehend verschwunden, weil in den Ställen kein Vieh mehr anzutreffen ist. Es existieren noch sieben Landwirtschaftsbetriebe, welche der topographischen Gegebenheiten wegen hauptsächlich auf Viehhaltung ausgerichtet sind. Daneben kommt auch dem Kirschenanbau, ähnlich wie im Fricktal, eine gewisse Bedeutung zu. Der in früheren Jahren heimische Rebbau ist verschwunden.
Die Mehrzahl der erwerbsfähigen Einwohner findet ihren Verdienst in der Region Brugg, aber auch weiter entfernt.
 
Die Linner Bevölkerung war seit Mitte des letzten Jahrhunderts bis zum Jahre 1985 stets rückläufig. Es war auch eine ausgeprägte Überalterung festzustellen. In jüngster Zeit hat sich die Bevölkerungsstruktur durch Zuzüger wieder normalisiert und die Einwohnerzahl hat dadurch leicht zugenommen. In der Schulanlage aus dem Jahre 1964, wo die Erst- bis Fünftklässler zusammen mit denjenigen der Nachbargemeinde Gallenkirch unterrichtet werden, hat sich erfreulicherweise wieder vermehrter Betrieb eingestellt. Bald werden die Schüler die neue Turnhalle benützen können. Die Oberschüler gehen in Oberbözberg, die Sekundarschüler in Unterbözberg und die Bezirksschüler in Brugg zur Schule. Die fast ausschliesslich der reformierten Konfession angehörende Bevölkerung ist in der Kirchgemeinde Bözberg integriert. 35% der Einwohnerschaft sind Ortsbürger.
 
Die in Linn anzutreffenden Bürgergeschlechter sind Bläuer, Bossard, Keller, Kohler, Roth und Wülser. In den Registern sind ausserdem noch Müller und Wildi zu finden. An einem auf die Gemeinde beschränkten kulturellen Leben mangelt es, denn es gibt keine Vereine, ebenso keine politischen Parteien.
Karl Bläuer, Gemeindeschreiber



In der Gemeinde gibt es keine ansässigen Vereinsmitglieder

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