Im Frühjahr 1990 stiess ein Trax beim Aushub der Baugrube für ein neues Wohn und Geschäftshaus im Mitteldorf Hausen auf die perfekt erhaltene 2000 Jahre alte Wasserleitung, durch welche die Römer ihr Legionslager Vindonissa, das 40 Meter über dem Grundwasserspiegel lag, mit fliessendem Trinkwasser aus dem Birrfeld versorgten.
 
Ein pfiffiger auswärtiger Journalist kam auf die Idee, Bruchstücke des freigelegten Kanals zugunsten der Behindertenwerkstatt Windisch zu verkaufen. So wurde erstmals mit der Römerleitung Geld verdient. Sie hatte fünf Jahre vorher die Gemeinde 65'000 Franken gekostet, weil sie präzis unter dem geplanten Feuerwehr- und Bauamtsgebäude hindurchführte. Die Gemeindeversammlung beschloss eine Projektanpassung, um das schlichte Zeugnis antiker Baukunst zu schonen.
 
Dass die Römer die Gegend von Hausen gut erkundet hatten, bestätigten auch Spuren einer römischen Villa im Gebiet «Muracher», heute nicht mehr sichtbar, und Kleinfunde, die bei der Verbreiterung der Hauptstrasse Ende der vierziger Jahre gemacht wurden. Hausen lag nur zweieinhalb Kilometer vor den Mauern Vindonissas. Die zum Aufbau des Lagers und Amphitheaters benötigten Steine wurden teilweise bei Hausen abgegraben. Eine Strasse führte von der Garnison südwärts Richtung Birrfeld.
 
Merkwürdig, wie neuzeitlich wichtige Verkehrsverbindungen den alten Römerwegen folgen. So teilen sich in die nur 250 bis 500 Meter breite Sohle des Hausertälchens, das durch Eitenberg-Sonnhalde-Lindhof auf der östlichen Flanke und durch Guggerhübel- Habsburgerwald- Galgenhübel auf der westlichen Seite begrenzt wird, die Kantonsstrasse K 118, der neue Autobahnzubringer und die SBBLinie BruggOthmarsingen als wichtige Achse des NordSüdverkehrs. Neben den Verkehrsträgern hat man den Süssbach früh in ein schmales und schnurgerades Betonbett verwiesen. Wer denkt in Anbetracht des kanalisierten Wässerchens daran, dass hier vor Jahrmillionen einmal die Aare vorbeifloss, als sie die Habsburg noch südlich umströmte?
 
Aus der Tiefe gurgelt kein Wasser mehr, sondern es ertönt das dumpfe Rollen der Züge, die halbwegs versteckt, aber in immer grösserer Zahl durch den Hauser Bahneinschnitt donnern. Die Erbauer der Südbahn scheuten sich 1880 nicht, diesen mächtigen Graben von Hand auszuheben, damit sie die 42 Höhenmeter zwischen dem Bahnhof Brugg und der Station Birrfeld mit vernünftigem Gefälle überwinden konnten. Hausen liessen sie stationslos links liegen.
 
So trat die Gemeinde eben als Strassendorf in Erscheinung. Diesen Charakter verliehen ihm vor allem stattliche Bauernhäuser. In den Häuserzeilen vom Unterdorf bis zum Letten bezeichnete man die markantesten Liegenschaften früher nach dem Namen ihrer Besitzer: Strösslerhaus, Siegristhaus, Gloorhaus, usw. Sie sind grösstenteils verschwunden, an ihrer Stelle erheben sich Geschäftshäuser, Schulhäuser, Wohnüberbauungen, die das Dorfbild veränderten. Typische alte Häuser stehen noch an der Holzgasse und am Bäregässli. Ihre Walmdächer lassen unschwer erkennen, dass sie einst mit Stroh gedeckt waren.
 
Einige dieser Bauten verfügen über eine sogenannte Hochstud, jene mächtigen Stützpfeilerbalken vom Boden bis zur First, die eine alte aargauische Bauernhauskonstruktion kennzeichnen. Das Hauser Gemeindewappen - ein Haus mit Treppenziegel, Türe und zwei dreiteiligen gotischen Fenstern im Erdgeschoss - weckt Gefühle von Wohnen, Häuslichkeit, Geborgenheit. Das Wappenmotiv stellt kein bestimmtes historisches Gebäude der Gemeinde dar. In den ältesten Urkunden - die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1254 - ist vom «Hof ze Husen» die Rede. Obwohl die anfänglich kleine dörfliche Siedlung mitten im althabsburgischen Besitztum, dem Eigenamt, lag, war sie im Hochmittelalter der Herrschaft entfremdet. Zeitweise stand dem Kloster Königsfelden die Verwaltung zu, später wurde Hausen der bernischen Landvogtei Eigenamt zugeschlagen. Zerfallende Gräben und Marchsteine im Gemeindewald deuten noch auf frühere Besitzesverhältnisse hin.

An der Sonnhalde, der Hochrüti und im Münzestal, wo früher Reben standen - zum Dorfwirtshaus «Rössli» gehörte eine Weintrotte -, wachsen neue Wohnquartiere hangwärts. Die schönen Wohnlagen und Hausens günstige Verkehrslage im Industriedreieck Baden-Brugg-Birrfeld haben aus dem einstigen Strassendorf eine Ortschaft mit Quartierschwerpunkten werden lassen. Der Siedlungsdruck der Grossagglomerationen wird spürbar; dank dem N 3-Anschluss am Dorfrand ist man mit dem Auto in einer knappen halben Stunde in Zürich und Basel, mit dem Bus erreicht man in sieben Minuten den Bahnhof Brugg. Von 1900 bis 1960 wuchs die Dorfbevölkerung von 550 auf 1100 Bewohner, und von 1960 bis 1993 verdoppelte sie sich beinahe noch einmal. Auf 1,9 Einwohner entfällt durchschnittlich ein Auto. Der Grossteil der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet auswärts.
 
Der Versuch, am Ausgang des Hausertälchens zum Birrfeld eine Zementfabrik zu betreiben, scheiterte 1928; der Stollen, durch den die Kalksteine aus den «Löchern» am Eitenberg unter der Münzentalstrasse in die Zementöfen gebracht wurden, war - verbotenerweise noch bis in die siebziger Jahre begehbar und beflügelte manches Bubenabenteuer. In dem fallierten Zementwerk etablierte sich später eine Chemische Fabrik, die Reichhold Chemie, welche allerdings mit grossem Bedauern die Fabrikation im Jahre1993 ins Ausland verlegt hat. Zweitgrösster Betrieb in der Gemeinde ist die Generalbauunternehmung Stocker AG, die sich aus bescheidenen Anfängen um 1960 rasch entwickelte. Zu den ortsansässigen Firmen gehören sodann ein Reinigungsinstitut und ein Handelsunternehmen sowie ein Dutzend Handwerks-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe.
 
Es gibt im Dorf noch einen einzigen Landwirtschaftsbetrieb; zum Glück steht er neben der Schulanlage, sodass die Hauser Kinder täglich noch ein wenig bäuerlichen Anschauungsunterricht bekommen. Die Schüler der Oberstufe gehen vorwiegend in Windisch zur Schule. Die Hauser Bevölkerung gilt regionalen Aufgabenlösungen gegenüber als aufgeschlossen. Das eigentliche Dorfleben wird durch aktive Vereine und mehrere politischen Parteien belebt. Seit 1978 verfügt das Dorf am Rothübel auch über eine reformierte Kirche. Sie ist gewissermassen die Nachfolgerin einer Klause mit Kapelle am Scherzberg - jenes Gebiet trägt noch heute den Namen «Chlausrai», und das «Chlauschlöpfen» ist einer der ältesten Dorfbräuche, wohlgepflegt durch die Ortsbürger.



In der Gemeinde ansässige Vereinsmitglieder:

Bäckerei
Widmer Roger
Hauptstr. 33
5212 Hausen
Zurück

Nach oben